Faustregeln für gute Webtexte: Strukturierung

Elisabeth Hammerschmid Bild: Elias Kaltenberger
Teil 4: Was Sie beim Content beachten könnten.

8. November 2018 | Wer Schreiben eher als Hürde wahrnimmt, dem sagen wir aus voller Überzeugung: Auch Schreiben fürs Web ist ein Handwerk, das mit einigen Tipps gleich viel besser – und leichter – gelingt. Die wichtigsten Faustregeln (aus unserer Erfahrung und aus einiger inspirierender Literatur), die wir als sehr nützlich erleben, teilen wir hier deshalb gerne mit Ihnen. Das könnte Ihnen das Schreiben des Blogs, der Referenzen und/oder der Unternehmensinhalte erleichtern.

Faustregel #4 Strukturierung ist die halbe Miete


Stellen Sie sich vor: Sie klicken eine ansprechende Überschrift in den Google-Suchergebnissen und gelangen auf eine Webseite, dessen Überschrift Sie darauf schließen lässt, dass sich dahinter die Antwort verbirgt, die Sie bisher vergeblich suchten.

Sie sind nun auf der Webseite, die Überschrift stimmt und Sie scrollen:
Es erwartet Sie ein ellenlanger Text ohne Absätze, in Blocksatz und in schwarz.


Was machen Sie?
  • Wenn Sie viel Mut und Zeit haben, gehören Sie vielleicht zu jenen, die sich durchkämpfen und den Beitrag tatsächlich von Anfang bis Ende lesen.
  • Aber womöglich gehören Sie eher zu jenen Menschen, die den Text »scannen«, also: Überschriften lesen und grob überfliegen.
  • Oder Sie gehören zu jenen, die die Webseite sofort wieder verlassen. Und tschüss!

Jeder Leser wird sich freuen, wenn Sie statt einer solchen »Textwüste« strukturierte und übersichtliche Texte bieten. Aber hallo!

...Faustregel #3 besagt daher: Ein strukturierter Text ist ein rasch erfassbarer Text.


Heutiges Webdesign (oder Screendesign: die grafische Gestaltung von Websites) unterstützt die Strukturierung von Texten in grafischen Elementen meist ohnehin: Bereiche sind untereinander angeordnet, Inhalte sind beim Scrollen der Website einfach erfassbar und in jenen Texthäppchen präsentiert, sodass diese auch beim Überfliegen noch eine (Marken-)Botschaft transportieren.

Schreiben Sie jedoch längere Beiträge – die durchaus legitim sind! –, legen wir Ihnen verschiedene Methoden zum Strukturieren von Text sehr gerne ans Herz – auch nachzulesen bei Michael Firnkes.


Welche konkreten Strukturierungsmöglichkeiten gibt es für Webtexte?
  • Aufzählungen beispielsweise Vorteile und Nachteile
  • Tabellen beispielsweise für Mitgliedschaften bei einem Sportstudio zum Vergleichen
  • Zwischenüberschriften beispielsweise »Was Sie sonst noch beachten sollten«, »Was ist Barrierefreiheit im Internet und wer braucht sie?« und »Was wir Ihnen zu diesem Thema anbieten«, etc.
  • Kurzzusammenfassungen und Textblöcke Zusammenfassungen von bisherig Gesagtem
  • Hervorgehobene Zitate beispielsweise von einem Interviewpartner oder eine essentielle Information für die Zielgruppe
  • Linkbuttons beispielsweise, um eine Reservierung, Buchung oder Anfrage zu initiieren
  • Icons, Fotos und Bildelemente im Text beispielsweise zur Illustration von Aufzählungspunkten oder zur Auflockerung des Textes
  • und vieles mehr...
Webtexte zu strukturieren erleichtert den BesucherInnen das »Scannen« (grobe Überfliegen) des Beitrages.

Weil das Web heute eine derart große Informationsmenge liefert und wir wenig Zeit haben, ist wirkliches Lesen  selten geworden im Web. Im Durchschnitt lesen Menschen nur etwa 28% der Wörter einer Webseite und scannen die Inhalte.

Deswegen: Machen Sie den BesucherInnen das Aufnehmen Ihrer Inhalte so einfach wie möglich.
Das heißt aber nicht zwangsläufig, sich immer kurz halten zu müssen.

Im Gegenteil…

Scheuen Sie nicht davor, längere Texte zu schreiben – in der Annahme, dass diese ohnehin nicht gelesen werden.

Ist der Text relevant und übersichtlich strukturiert wird er seine Aufmerksamkeit finden.
Und lassen Sie sich nicht dazu verleiten, Texte zu kürzen, damit nicht gescrollt werden muss.

Denn Scrollen ist ein natürliches habitualisiertes Verhaltensmuster im Internet - Menschen erwarten es, scrollen zu müssen. Sogar wenn es nicht möglich ist, werden Menschen versuchen zu scrollen, um zu sehen, ob die Website noch mehr bietet als im ursprünglichen sichtbaren Bereich erkennbar.

Alle Faustregeln im Überblick: Zusammenfassung


Faustregel #1: Relevanter Inhalt

Sie möchten, dass Ihre Webseite von Ihrer Zielgruppe besucht und gelesen wird? Schaffen Sie relevante Inhalte, die die Probleme Ihrer KundInnen lösen und Antworten auf Fragen liefern.

Doch woher wissen Sie, wie Sie relevante Inhalte schaffen? Hören Sie Ihren KundInnen aktiv zu, stellen Sie Ihnen und Ihrem Team Fragen aus dem Vertriebsalltag und recherchieren Sie Suchbegriffe aus Ihrem Bereich (siehe auch Google Trends). So erhalten Sie bestimmt Themenfelder und Fragestellungen aus dem Alltag Ihrer Zielgruppe und können daraus relevante Inhalte in unterschiedlichen Textformen erstellen wie beispielsweise How-To-Anleitungen, Produktvergleiche, Interviews oder News-Beiträge.

Faustregel #2: Ein klares Ziel


Das Texten einer Detailseite gelingt leichter, wenn Sie genau wissen, welche Ziele Sie damit verfolgen. Ein Text kann bis zu 3 Zielsetzungen enthalten, beispielsweise Informationen vermitteln, überzeugen oder unterhalten. Legen Sie die Ziele vorab fest und behalten Sie diese während des Schreibprozesses im Hinterkopf. Nach Ende der Textierung können Sie nochmals überprüfen: Erfüllt mein Text meine zuvor definierten Ziele tatsächlich?

Faustregel #3: Die Neugierde wecken

Richtig, bereits mit der Überschrift können Sie Neugierde wecken. Denn die kann überzeugen – oder eben nicht. Wichtig ist zunächst, dass Sie in der Überschrift ein Versprechen geben, das Sie mit Ihrem Text auch halten können. Enttäuschen Sie Ihre Leser nicht, versprechen Sie nicht zuviel und nicht zu wenig.

Besonders plakative Überschriften enthalten Reihenfolgen oder Zahlen; auf sie reagieren wir mit Neugierde: beispielsweise »10 Dinge, die Sie bei ... beachten sollten« oder »So erreichen Sie Ihr Ziel ...«. Vergessen Sie nicht, Keywords in die Überschrift einzubinden. 

Faustregel #4: Strukturierung ist die halbe Miete

Machen Sie Ihren LeserInnen eine Freude und bieten Sie einen übersichtlich strukturierten und auch optisch leicht erfassbaren Text. Es gibt eine Vielfalt an Möglichkeiten, wie Texte strukturiert werden können, beispielsweise mit Aufzählungszeichen, Zusammenfassungen, Linkbuttons oder Bildern. An zu großer Textlänge scheitern Texte kaum; wohl aber an einer Formatierung wie eine »Textwüste«. Ein strukturierter Text ist ein rasch erfassbarer Text.

Faustregel #5: Die Sichtbarkeit des Textes erhöhen

Damit Suchmaschinen Ihren Text auch finden und anzeigen können, werden neben der Überschrift und dem Textkörper auch Meta-Informationen herangezogen: Titel und Beschreibungstext über den Textinhalt selbst und über deren Quelle. Die Erstellung der Metainformationen erfolgt nach der Fertigstellung des Textes und ist — mit Keywords gespickt — eine kurze präzise Beschreibung der Inhalte, die wichtig ist, damit Menschen und Suchmaschinen den Text besser finden können.

Gibt's dazu noch mehr zu erfahren? – Ja, klar!

Wir geben gerne unser Wissen und unsere Erfahrungen weiter. Maßgeschneiderte Empfehlungen und Lösungen für die individuelle Online-Strategie gibt′s natürlich für alle unsere KundInnen (und alle, die es noch werden wollen) im Rahmen einer persönlichen Beratung in St. Pölten und Amstetten.

Referenzen, Inspiration und zum Weiterstöbern perfekt ...


Külz, Hannes (2017): Einfach schreiben im Beruf: Wie Sie sich und Ihrem Leser eine Freude machen. 1. Aufl., Haufe Gruppe, Freiburg, München, Stuttgart

Firnkes, Michael (2014): Professionelle Webtexte und Content Marketing. Handbuch für Selbständige und Unternehmer. 2., erw. Aufl., Carl Hanser Verlag München

Xtian Miller (2016): Your Body Text Is Too Small. Why website body text should be bigger, and ways to optimize it. blog.usejournal.com, letzter Zugriff am 29.10.2018 [englisch]

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