12 Argumente für Web Accessibility

Theresa Memelauer Bild: Michael Liebert
27. September 2018 | Sie sind überzeugt, Sie brauchen für Ihr Unternehmen keine barrierefreien Online-Angebote?

Stimmt wahrscheinlich für Sie (und Ihr Unternehmen) nicht ganz...

Wir liefern Ihnen 12 Argumente (anhand verschiedener Studien), die Sie ein Stück weit überzeugen könnten, dass aus Marketing-Sicht und besonders auch für Ihr Unternehmen barrierefreie Webseiten wichtig sind.



Viele eingeschränkte Personen (temporär oder dauerhaft) sind online tagtäglich verärgert.

Sei es, dass Kontaktformulare nicht ausgefüllt, Produkte nicht sortiert oder Zahlungsdetails nur schwierig einzutragen sind — viele Webfunktionen sind auch mit assistiven Technologien nicht adäquat bedienbar, wenn Webseiten und Online-Shops nicht barrierefrei sind. Und das bedeutet für Ihre NutzerInnen vor allem: Frust. 

Wie reagieren Menschen im Internet auf Frust?
Ganz einfach: Die Personen klicken weg, sie verlassen Website/Webshop.

Höchstwahrscheinlich werden eingeschränkte Personen dann nach Konkurrenz mit einer barrierefreien Webseite suchen und dort einkaufen. Sehr verständlich aus Nutzer-Sicht, aber eher schlecht aus Ihrer Marketing-Sicht...

Die Lösung ist denkbar einfach: Begegnen Sie mit Ihren Online-Angeboten allen Menschen mit gleicher Wertschätzung. Durch eine Website/einen Webshop, der »accessible« ist, also allen Menschen zugänglich.

Wir haben für Sie die wichtigsten Argumente für konsequente und vollständige Barrierefreiheit im Internet / Accessibility zusammengefasst.

Was ist Barrierefreiheit im Internet und wer braucht sie?


Viele Unternehmen – auch wir – beschäftigen uns täglich damit, wie Webinhalte bestmöglich erstellt, optimiert und an möglichst viele Menschen oder eine bestimmte Zielgruppe kommuniziert werden können.

Vielfach wird übersehen, dass das Internet längst nicht allen Menschen so zugänglich ist, wie angenommen.


Zielsetzung der Barrierefreiheit/Accessibility

Barrierefreies Internet sichert die Teilnahme aller gesellschaftlichen Gruppen am unaufhaltsamen digitalen Wandel. Von der informations- und kommunikationstechnologischen Barrierefreiheit profitiert jeder auf eine oder andere Art und Weise.

Zu Ihren KundInnen gehören bestimmt auch Personen mit diversen Behinderungen oder Beeinträchtigungen. Barrierefreiheit lässt sie angebotene Inhalte wahrnehmen, die ihnen ansonsten nicht zugänglich wären.


4 Prinzipien der Barrierefreiheit/Accessibility

Vier Prinzipien heben die Richtlinien und Empfehlungen zur Barrierefreiheit »Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1« als wesentlich hervor:

Websites sollen
  • 1) wahrnehmbar,
  • 2) bedienbar,
  • 3) verständlich und
  • 4) robust sein.

Das bedeutet beispielsweise, dass ein »Screenreader« (Bildschirmauslese-Software) den blinden Personen die Webinhalte vorliest. Inhalte werden beispielsweise in einfacher Sprache verfasst oder das Web-System erlaubt und ermöglicht das Nutzen assistiver Technologien – z.B. ein Blindenschriftausgabegerät (Braille-Tastatur).


Theresa Memelauer ist Certified WebAccessibility Expert [30. Mai 2018]


Wer ist besonders auf die Accessibility / Barrierefreiheit angewiesen?
  • Kognitiv beeinträchtigte Menschen
  • Temporär oder dauerhaft motorisch eingeschränkte Personen
  • Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder Blindheit
  • Gehörlose oder hörbeeinträchtigte Menschen
  • Menschen mit Lernschwierigkeiten
  • Mehrfach behinderte Menschen
  • Ältere Personen


12 Argumente für barrierefreie Webseiten und Webshops


  • #1 Kaufkraft
51% von 75 befragten Personen mit Sehbehinderungen in Österreich geben beim Online-Kauf mehr als 1.000 € pro Jahr aus. Sie würden auch höhere Beiträge ausgeben, wären Webseiten barrierefreier gestaltet.


  • #2 Regelmäßige Käufe
80% der österreichischen Befragten mit Sehbehinderung shoppen öfter als 1 x pro Monat online; Internetkäufe gehören für beeinträchtigte Personen somit zum Alltag. Sich als UnternehmerIn dessen bewusst zu sein ist der erste Schritt in Richtung Barrierefreiheit der eigenen Web-Angebote.


  • #3 Konkurrenzsuche
65% der österreichischen sehbeeinträchtigten befragten Personen geben an, bei unzureichender barrierefreier Gestaltung der Webseite wegzuklicken und andere barrierefreie Anbieter zu suchen. Ziel für UnternehmerInnen muss also sein, ihr Online-Angebot barrierefrei und hervorragend bedienbar zu gestalten.

  • #4 Bereitschaft zu höheren Preisen
45% der Befragten im Rahmen der österreichischen Umfrage haben bereits mindestens einmal mehr Geld für ein Produkt ausgegeben, weil sie es lieber von einer Webseite mit besserer Barrierefreiheit gekauft haben. Der Aufwand für Barrierefreiheit lohnt sich also.


  • #5 Lücke in der Zielgruppe: 1,3 Millionen Menschen
Mit einer nicht-barrierefreien Webseite entscheiden Sie als UnternehmerIn sich aktiv dafür, 15-20% Ihrer Zielgruppe nicht zu bedienen — nämlich jene mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen, die auf einer nicht-barrierefreien Webseite »wegklicken« und einen anderen Anbieter suchen. »20,5% der österreichischen Bevölkerung haben eine Behinderung. In Summe sind das über 1,3 Millionen Menschen, die von der Wirtschaft als potentielle ArbeitnehmerInnen und KundInnen nicht beachtet werden.«

  • #6 Exzellentes Kundenservice
Sie möchten mit Ihrem Unternehmen exzellente Leistungen/Produkte und Services auf allen Ebenen bieten? Das ist großartig! Achten Sie hier auch auf die Zugänglichkeit Ihrer Angebote für alle Menschen.


  • #7 Gesetzliche und ethische Forderung
Barrierefreiheit ist nicht nur eine ethische Frage, sondern auch eine gesetzliche Forderung nach Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Barrierefreie Webseiten und Shops tragen dieser Forderung auch in der Online-Welt Rechnung.


  • #8 Wegklicken: Verschenkte Chancen
71% der beeinträchtigten Personen klicken von einer schwierig zu bedienenden Webseite weg. Der beste Weg ist, die Barrieren der eigenen Web-Präsenz mittels Tests oder Beratungen herauszufinden und diese zu korrigieren.


  • #9 Verschenktes Verkaufspotenzial
Personen, die eine Webseite mit Barrieren „wegklicken“ weisen zusammen eine geschätzte Kaufkraft von 11,75 Milliarden auf [GBR] — geschätzt 10% der gesamten Online-Ausgaben in Großbritannien. Das sind immense Summen, die UnternehmerInnen verschenken, wenn sie Barrierefreiheit ignorieren.


  • #10 Kaufpotenzial
82% der KonsumentInnen würden online gerne mehr kaufen, wären Webseiten zugänglicher.


  • #11 Wertschätzung für alle
Barrierefreie Webseiten und Shops begegnen allen Ihren KundInnen mit der Wertschätzung, die ihnen auch gebührt. Ist Ihnen wirklich bewusst, dass Sie manche Menschen Ihrer Zielgruppe weniger wertschätzen als andere, wenn Sie kein barrierefreies Online-Angebot bereitstellen?


  • #12 Kundenzufriedenheit
»Stille« KonsumentInnen sind nicht immer »zufriedene« KonsumentInnen und können nicht immer als solche wahrgenommen werden. Fragen Sie daher aktiv nach der Zufriedenheit Ihrer KundInnen und hören Sie aufmerksam zu. Wenn Sie Produkt-/Leistungstest machen, dann beziehen Sie beeinträchtigte Personen in Ihre Testgruppe ein.


Österreichisches Qualitätssiegel für barrierefreie Webseiten: WACA [August 2018]
Fazit
Nicht nur aus ethischer und gesetzlicher Forderung heraus ist die Accessibility/Barrierefreiheit für alle Webseiten- und Webshop-BetreiberInnen ein Thema.

Mit einer nicht-barrierefreien Webseite verschenken Sie Verkaufspotenzial — jeden Tag und in jedem Moment, in dem sich ein/e potenzielle/r KäuferIn für die barrierefreie Konkurrenz entscheidet.

Konnten wir Sie ein Stück weit von der Wichtigkeit des Themas Barrierefreiheit im Internet überzeugen?

Gibt's dazu noch mehr zu erfahren? – Ja, klar!

Wir geben gerne unser Wissen und unsere Erfahrungen weiter. Maßgeschneiderte Empfehlungen und Lösungen für die individuelle Online-Strategie gibt′s natürlich für alle unsere KundInnen (und alle, die es noch werden wollen) im Rahmen einer persönlichen Beratung in St. Pölten und Amstetten.


Eine Mitarbeiterin blickt in die Kamera und lächelt: Theresa ist Spezialistin für Barrierefreiheit im Internet.

Über die Autorin | Theresa Memelauer
Die Medientechnikerin (FH) und Frontend-Entwicklerin Theresa ist seit 2010 in der Agentur. Als »Certified WebAccessibility Expertin« beschäftigt sie sich damit, wie Websites bestmöglich nutzerfreundlich (User-Interface-Design) und im Sinne der Barrierefreiheit im Internet für alle zugänglich werden. Sie setzt Webprojekte mit dem hauseigenen CMS EDWIN gemäß den aktuellen Richtlinien nach WCAG um.


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