Österreichisches Qualitätssiegel für barrierefreie Webseiten: WACA

23. August 2018 | Barrierefreiheit im Internet ist in unserer digitalen Zeit eine wichtige gesellschaftliche, wirtschaftliche und gesetzliche Forderung, damit Online-Angebote für alle Menschen zugänglich werden. Um diesem bedeutenden Thema auch in Österreich gerecht zu werden und vorbildlich umgesetzte Webseiten mit einem entsprechenden Gütezeichen hervorzuheben, wurde das Qualitätssiegel für Barrierefreiheit ins Leben gerufen: »Web Accessibility Certificate Austria«, kurz: WACA.

WACA: Web Accessibility Certificate Austria


WACA ist das erste unabhängige österreichische Qualitätssiegel für barrierefreie Webseiten. Damit zeigen Betriebe und Institutionen, dass es ihnen wichtig ist, die eigenen Inhalte und Angebote für alle Menschen zugänglich zu machen. "Ein barrierefreies Web ist Zeichen und Ausdruck einer offenen, demokratischen und integrativen Gesellschaft." Das Qualitätssiegel für die Barrierefreiheit zeigt drei Stufen (grob zusammengefasst):
  • GOLD Die Webseite entspricht WCAG 2.0 - AA
  • SILBER Die Webseite entspricht weitgehend der Richtlinie
  • BRONZE Die Webseite entspricht den meisten Erfolgskriterien nach WCAG 2.0 - AA
Das Qualitätszeichen wird nach dem Zertifizierungsprozess auf der eigenen Webseite platziert. Grundlage der Zertifizierung ist die Richtlinie der WCAG 2.0 mit der Konformität AA der W3C-Web-Accessibility-Initiative. Das W3C ist ein weltweites Konsortium, das sich zum Ziel gesetzt hat, das Internet zugänglich zu machen ("Make the Web Accessible.")

Die wichtigsten WACA-Fakten im Überblick:
  • Das Qualitätssiegel gilt österreichweit.
  • Die Webseite wird im Zertifizierungsprozess nach WCAG 2.0 Level AA getestet.
  • Die geprüfte Webseite erhält je nach Abstufung den Status Bronze, Silber oder Gold.
  • Die Zertifizierung erfolgt über die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG).
  • Nach 2 Jahren ist ein Re-Zertifizierungsprozess erforderlich.
  • Phasen der Zertifizierung: 1) Information/Beratung, 2) Antrag, 3) Auditprozess, 4) ggf. Überarbeitungsphase und 5) Zertifikatsausstellung.
  • BetreiberInnen der zertifizierten Webseite erhalten eine Urkunde, ein Zertifizierungslabel und werden auf der WACA-Website gelistet.

Theresa Memelauer ist Certified WebAccessibility Expert

Für eine sichtbare Barrierefreiheit: Das Qualitätssiegel WACA


Allseits bekannt und auf Webseiten gleich sichtbar sind die möglichen Farbkontraste und die 3 „A"s zur Schriftvergrößerung. Diese fallen sofort auf, sind jedoch nur ein Teil der Barrierefreiheit – „echte" umfassende Barrierefreiheit geht weit über diese beiden Funktionalitäten hinaus.

Eine barrierefreie Webseite – professionell und den Richtlinien entsprechend umgesetzt – lässt sich kaum am äußeren Erscheinungsbild erkennen; sie funktioniert allerdings mit Leichtigkeit auf diversen IT-Systemen wie etwa Smartphone, Tablet, mobilen und Desktop-Geräten aller Art. Ebenso wichtig sind der „saubere" Code und die Struktur im Hintergrund, welche das Navigieren und Interagieren mit der Oberfläche auch ohne Maus ermöglichen. Und um diese Barrierefreiheit nach außen hin sichtbar zu machen, gibt es jetzt das Qualitätssiegel.

Was bedeutet Barrierefreiheit bei Websites & Online-Diensten?


Die Richtlinien und Empfehlungen zur Barrierefreiheit "Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0" heben 4 Prinzipien als wesentlich hervor, d.h. Websites und Webshops müssen folgende Eigenschaften aufweisen:
  • wahrnehmbar
  • bedienbar
  • verständlich
  • robust
Die 4 Prinzipien zur Barrierefreiheit im Detail

Warum die Barrierefreiheit im Internet wichtig ist


Von der informations- und kommunikationstechnologischen Barrierefreiheit profitiert jeder einzelne. Auch Personen mit diversen Behinderungen oder Beeinträchtigungen sind Ihre Kunden und können angebotene Inhalte wahrnehmen, die ansonsten unzugänglich wären.

In Österreich ist diese informations- und kommunikationstechnologische Barrierefreiheit in verschiedenen Rechtsgrundlagen verankert:
  • dem E-Government-Gesetz,
  • dem Behindertengleichstellungspaket und
  • der Bundesverfassung.
Das E-Goverment-Gesetz verlangt, dass behördliche Internetauftritte barrierefrei gestaltet sind, in der Bundesverfassung ist das Diskriminierungsverbot für behinderte Menschen verankert und das Behindertengleichstellungspaket besagt, "dass (…) technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung sowie andere gestaltete Lebensbereiche barrierefrei sind, wenn sie für Menschen mit Behinderung in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne Hilfe nutzbar sind." (08/2018)


Warum eine barrierefreie Webseite aus Marketing-Sicht unerlässlich ist

Theresa Memelauer, Expertin für Barrierefreiheit im Internet

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